Mein Engagement im Tierschutzverein Fürther Samtpfoten e.V.

Gruppentraining im Tierschutz Fürther Samtpfoten

Manchmal beginnt eine Geschichte, die dein Leben verändert, an einem ganz gewöhnlichen Sonntag. Bei mir war es der 2. April 2023 – der Tag, an dem ich beschloss, Tierschutzkater Boomi kennenzulernen, und damit auch meinen Weg zu den Fürther Samtpfoten e.V. einschlug. Seitdem ist daraus eine ehrenamtliche Herzensangelegenheit geworden – mit bewegenden Katzenschicksalen, kleinen und großen Erfolgen und der festen Überzeugung: Jeder Beitrag zählt. Hier erzähle ich dir, warum.



Ein persönlicher Moment der alles veränderte

Alles begann am 2. April 2023. Es war der Sonntag vor dem Osterwochenende, als ich mich zusammen mit meinem Partner gegen den geplanten Freigang für unsere 11 Monate alte Wohnungskatze Leni entschied und gleichzeitig für einen Spielfreund. Denn das war meine Bedingung: entweder Freigang für Leni oder ein Artgenosse muss einziehen.

Jungkatze Leni

Jungkatze Leni miaute immer wieder unzufrieden. Sie zeigte mir damit trotz unzähliger Spielsessions und Beschäftigungsangebote im Alltag an, dass ihr dennoch etwas fehlte.

Mein Bauchgefühl sagte mir: es ist ein Artgenosse und Spielfreund. Denn so viel Mühe ich mir auch gab, einen kätzischen Mitbewohner mit Fang- und Raufspielen, gegenseitigem Putzen und kätzischen Interaktionen konnte ich als Mensch beim besten Willen nicht ersetzen. Wie auch?

Ungesicherter Freigang für Leni war aufgrund der zahlreichen Gefahren da draußen auch keine wirkliche Option für mich, nachdem ich zwei meiner vorherigen Freigängerkatzen durch den Freigang verlor und die dritte durch einen Autounfall so schwer verletzt wurde, dass sie lebenslange Folgen erlitt.

So kam Tierschutzkater Boomi in mein Leben und damit der Tierschutz

Noch am gleichen Abend, als die Entscheidung pro Zweitkatze final getroffen war, durchsuchte ich das Internet oder besser gesagt die Tierheime der Umgebung. Ich wollte einen passenden Katzenfreund für Leni finden. Denn nachdem ich meine bisherigen Katzen aus der Familie bekam, wollte ich nun endlich meinen Traum wahr werden lassen und einer Tierschutz-Katze ein Zuhause schenken.

Wichtige Kriterien bei meiner Suche nach einer passenden Zweitkatze für Leni waren: gleiches Alter, ähnlicher Charakter & ähnliche Bedürfnisse. Dabei stieß ich auf den nahegelegenen Katzenschutzverein „Fürther Samtpfoten e.V.“ und Fundkater Boomer. Die Beschreibung passte perfekt: 12 Monate alt, extrem neugierig, verschmust, menschenbezogen und „spielt sehr ausdauernd“ hieß es auf der Website des Vereins.

Ein „perfekt Match“ für Leni, dachte ich mir und vereinbarte gleich für den darauffolgenden Mittwoch, 5. April 2023, einen Kennenlerntermin des Katers vor Ort.

Und was soll ich sagen? Ich schloss Boomi sofort in mein Herz und einen Tag später, am 6. April 2023 zog er auch schon bei uns ein.

Was mich ebenfalls zutiefst berührte: Das ehrenamtliche Engagement der Mitarbeiterinnen der Fürther Samtpfoten für die Katzen – neben ihren 40-stündigen Hauptjobs, ihrem Alltag und ihrem Privatleben. Ich war zuvor noch nie in einem Tierheim und stellte mir vor, wie mich da die ganzen traurigen Katzenaugen aus Käfigen heraus anschauen würden. Aber bei den Fürther Samtpfoten war das anders: Die Katzen leben in einem 180qm privaten Reihenhaus mit gesichertem Garten und liebevoll eingerichteten Zimmern mit Laufrad, CatWalks und alles was das Katzenherz begehrt zusammen mit der Hauptpflegerin und ihrem Mann.

Die glücklichen Katzengruppen und der herzliche Umgang mit den Fellnasen dort berührte mich vom ersten Moment. Ich war total begeistert von der Arbeit des Vereins für Samtpfoten in Not und fasste den festen Entschluss, mich ebenfalls dort zu engagieren, „wenn ich mal mehr Zeit habe“.

Wie ich bei den Fürther Samtpfoten gelandet bin

Mehr Zeit für die Tierschutz-Arbeit hatte ich dann tatsächlich sogar ziemlich schnell:

Ende Juni 2023 kündigte ich meinen damaligen Job als Marketingleitung in einem kleinen Marktforschungsinstitut, um mich voll und ganz meiner Ausbildung zur Katzentrainerin zu widmen. Zudem verfolgte ich das große Ziel, irgendwann mal ein eigenes Business zu gründen.

So begann ich auch meine ehrenamtliche Tätigkeit bei den Fürther Samtpfoten e.V. im Juli 2023 und gründete nebenbei CatCary Katzentraining.

Was die Fürther Samtpfoten eigentlich machen

Die Fürther Samtpfoten e.V. sind ein kleiner, privater Katzenschutzverein aus Fürth in der Nähe von Nürnberg. Das Team besteht aus 5 Mitarbeiterinnen, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich um rund 15-25 Katzen kümmern, die aus schlechter Haltung oder von der Straße gerettet wurden beziehungsweise von privat aufgrund von Allergien, Umzug oder „keine Zeit mehr“ nicht mehr ins Leben der Halter*innen passten und dringend „weg mussten“.

Der Verein ist für die Pflege, Versorgung und Vermittlung der Katzen zuständig. Dazu zählt unter anderem die medizinische Betreuung und Versorgung durch Impfungen, Kastrationen, Behandlung von Krankheiten und vieles mehr. Aber auch die Gewöhnung von ängstlichen oder wildgeborenen Katzen an Menschen sowie Katzentraining für Katzen mit Entwicklungspotenzial im Umgang mit Menschen, Artgenossen oder anderen Themen gehören zu den täglichen Aufgaben.

Meine Rolle & meine Aufgaben dort

Ich bin seit Juli 2023 mindestens einmal pro Woche vor Ort, um bei der Katzenversorgung zu helfen, aber auch mit ihnen zu spielen, schmusen und um zu trainieren. Davon profitieren vor allem ängstliche und zurückhaltende Katzen, die durch das regelmäßige Training bessere Vermittlungschancen bekommen, da sie mit der Zeit mutiger und selbstbewusster werden.

Ebenso betreue ich Katzen, die sich in der Großgruppe schwertun, durch Training und positive Verstärkung, sodass sie sich schneller in den Gruppenräumen einleben. Wie so ein Gruppentraining aussehen kann, siehst du im folgenden Kurzvideo:

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Mehr Informationen

Darüber hinaus begleite ich abwechselnd mit den Kolleginnen Tierarzt-Termine und auch die Vermittlungen der Katzen durch telefonische Eignungsgespräche mit Interessent*innen vorab sowie Kennenlerntermine der Katzen vor Ort. Wenn dann alles passt, bringe ich die Katzen im Anschluss in ihr neues Zuhause.

Aber auch bei Fangaktionen von Streunerkatzen war ich schon mehrfach involviert. Zudem unterstütze ich bei organisatorischen Aufgaben wie dem Schreiben von Website-Texten, Weihnachtsbriefen und Marketingaktionen.

Mein besonderes Engagement: Ich fungiere auch als Pflegestelle für Notfälle, die beispielsweise aufwändige gesundheitliche Behandlungen benötigen, wie die 3-monatige Inhalationstherapie von Pflegekatze Moni, die pro Tag über 60 Minuten Aufwand erforderte.

Moni ist damals übrigens zu mir gekommen, um zu bleiben und die 3. Herzenskatze in meinem CatCary-Team geworden, die ich an meiner Seite nicht mehr missen möchte.

Pflegekatze Marylou mutig

Oder die Menschengewöhnung von Angstkatze und Qualzucht Marylou, die sich zuvor in der Gegenwart von Menschen nur versteckt hielt.

Nach 2,5 Monaten in meiner Obhut konnte sie durch das tägliche Training dann ein „High 5“ mit ihren Interessenten zeigen während des Besuchstermins und fand prompt ein neues Zuhause.

Auch die Babykatzen Quinn und Queenie, die mit 3 Monaten aus schlechter Haltung gerettet und von mir als Pflegestelle über 2 Monate 3x täglich mit Augencreme versorgt wurden, habe ich tief in mein Herz geschlossen und bis in ihr neues Zuhause begleitet.

Pflegekatzen Quinn und Queenie

Was mir das Engagement persönlich zurückgibt

Die Arbeit im Tierschutz bereichert meinen Alltag enorm. Unsere Schützlinge freuen sich immer sehr über meine Besuche, Spiel- und Trainingsangebote und das macht auch mich sehr glücklich.

Egal wie stressig mein Tag oder meine Woche war, sobald ich mit den Tierschutz-Mäusen zusammen bin, mit ihnen schmuse, spiele und trainiere, vergesse ich die Welt um mich herum für einen Moment. Daher erfüllt mich dieses Ehrenamt so sehr.

Die Katzen freuen sich so über meine Besuche, schenken mir viel Liebe und Zuneigung und zeigen wahnsinnig tolle Entwicklungen durch unsere Arbeit mit ihnen. Das macht meine Kolleginnen und mich extrem stolz und glücklich.

Dadurch, dass ich mit so vielen unterschiedlichen Katzen-Charakteren trainieren und interagieren darf, lerne ich immer wieder Neues dazu und kann meine Methoden und Skills kontinuierlich erweitern. Davon profitieren dann auch meine Kund*innen und ihre Katzen.

Zudem ist es so schön zu sehen, wie gut es unseren Mäusen geht und was für ein tolles neues Leben sie durch unsere Arbeit gewinnen konnten, wenn die Adoptant*innen uns Updates nach den Vermittlungen schicken.

Oft werde ich auch nach Ratschlägen zur Katzenhaltung gefragt oder die Teams möchten am Training dranbleiben. Hier stehe ich ihnen auch nach der Vermittlung gerne zur Seite.

Zuletzt konnte ich durch meine Tierschutz-Arbeit auch schon einige ungewollte Katzenabgaben aufgrund von lösbaren Themen wie Unsauberkeit oder Katzenstreit verhindern. Die Menschen waren verzweifelt, sahen die Abgabe der Katze an die Fürther Samtpfoten als letzten alternativlosen Ausweg.

Ich unterstütze jedes Team, das bereit dazu ist, an den Herausforderungen mit seiner Katze zu arbeiten und zeige ihnen auf, dass sie doch eine Wahl haben, handlungsfähig sind, wenn sie das möchten. Und das Angebot wird auch oft und gerne angenommen.

Einblicke & Hintergründe – was man von außen nicht sieht

Die Arbeit im Tierschutz ist aber nicht immer nur schön und bereichernd. Sie ist in manchen Situationen auch wirklich extrem herausfordernd, kräftezehrend, anstrengend und traurig zugleich. Besonders zu Herzen nehmen wir uns immer, wenn der Verein voll ist und keine weitere Katze mehr aufnehmen kann.

Genau in solchen Momenten kommen dann tagtäglich besonders viele Notfälle per Anruf oder E-Mail rein, die wir auf die Warteliste stellen oder ablehnen müssen. Denn unsere Ressourcen sind begrenzt und die Nachfrage nach Katzenaufnahmen ist grundsätzlich immer extrem hoch, vor allem aber im Sommer, wenn die Leute in den Urlaub fahren, die Katzen lästig werden oder es wieder zahlreiche Katzenmütter gibt, die gefunden wurden oder plötzlich von privat wegmüssen.

Am aller traurigsten macht es mich aber, wenn wir Katzen trotz intensiver medizinischer Versorgung und Pflege nicht mehr retten können oder einschläfern lassen müssen als letzten Ausweg, um ihnen weiteres Leid zu ersparen. Auch diese Situation durfte ich mehr als einmal miterleben und die Erinnerungen daran und Geschichten dahinter prägen mich bis heute.

Warum Tierschutz für mich persönlich wichtig ist

Carina mit Katze Minka

Ich finde Tierschutz persönlich wichtig, weil damit Tieren geholfen werden kann, die dringend Hilfe benötigen, die keine Wahl haben, nicht gesehen werden und teilweise schlimme Erlebnisse hinter sich haben und andernfalls damit auf sich allein gestellt wären.

Tierschutzvereine geben genau diesen Lebewesen eine Stimme, die sonst kaum wer hört und sieht, einen sicheren Rahmen und die Chance auf ein gesünderes und glücklicheres Leben. Das finde ich extrem wichtig und unterstützenswert, da ich schon von klein auf eine Tierfreundin und -schützerin aus vollem Herzen war.

Ich fütterte bereits im Grundschulalter die Raupen und Schnecken im Garten meiner Eltern mit Salat und Löwenzahn, wollte ein verlassenes Vogelei in einer Bauchtasche wärmen und das Küken unter meiner Schreibtischlampe ausbrüten. Das hat nur leider nicht funktioniert.

Ich pflegte aus dem Nest gefallene Jungvögel zusammen mit meiner Nachbarin und grub Würmer für sie aus.

Dann adoptierte ich mit nur 6 Jahren auf eigene Faust den Streunerkater Minz. Meine Eltern ließen mich gewähren und unterstützten mich so gut es ging bei all meinen großen und kleinen Tierschutzprojekten.

Adoption Streunerkater Minz

Durch mein heutiges Engagement bei den Fürther Samtpfoten e.V. trage ich meinen Teil zur Katzenhilfe bei mir vor Ort bei. Ebenso unterstütze ich auch Projekte im Auslandstierschutz, wie beispielsweise die Katzenhilfsorganisation CopsCaps auf Zypern, die sich für Kastrationsprojekte, medizinische Versorgung, Katzenrettungen, Futterstellen, Vermittlungen und noch viel mehr einsetzen, weil ich ihre Arbeit bewundernswert und weltverändernd finde. Auf einer Insel, wo es mehr Katzen als Einwohner gibt, wo Hunger, Leid und Not an der Tagesordnung der Katzen stehen, arbeiten zwei deutsche Auswanderinnen mit ihren Teams rund um die Uhr für das Wohl der Katzen und leisten dort Dinge, die sich manche nicht einmal vorstellen können.

Wie du dich einbringen kannst

Du möchtest dich auch für den Tierschutz einsetzen? Es gibt so viele tolle Organisationen und Vereine da draußen und so viele Möglichkeiten, diese zu unterstützen, zum Beispiel durch:

  • Finanzielle Spenden
  • Sachspenden
  • Ehrenamtliche Hilfe
  • Tier-Patenschaften
  • Pflegestellen
  • Vereins-Mitgliedschaften (still oder aktiv)
  • Marketingaktionen zur Steigerung der Sichtbarkeit
  • Adoption von Tierschutz-Tieren – anstatt von Privat, Züchter*innen, Vermehrer*innen zu kaufen

Abschluss: Ein paar Gedanken zum Mitnehmen

Wenn ich zurückblicke – auf den Sonntag, an dem Boomi noch gar nicht wusste, dass er bald bei uns einziehen würde, auf Monis lange Inhalationstherapie, auf Marylous erstes High 5 oder auf das freudige Schnurren von Quinn und Queenie – dann wird mir immer wieder bewusst: Jeder einzelne Beitrag zählt, egal wie klein er erscheinen mag. Man muss nicht gleich sein Leben umkrempeln oder jeden Tag im Tierheim stehen, um etwas zu bewirken.


Manchmal reicht es schon, mit anderen Menschen darüber zu sprechen, wie wichtig Tierschutz ist, und zu erzählen, welche unterstützenswerten Vereine es vor Ort oder auch anderswo auf der Welt gibt – so wie die Fürther Samtpfoten oder CopsCaps auf Zypern. Denn genau daraus entstehen neue Patenschaften, neue Pflegestellen, neue Spenden und manchmal auch neue Ehrenamtliche, die vorher gar nicht wussten, wie viel Freude und Sinn dieses Engagement schenken kann.

Du hast so viele Möglichkeiten, aktiv zu werden – ob groß oder klein – und die Welt für unsere Samtpfoten ein Stückchen besser zu machen. Ich bin unendlich dankbar, dass Boomi damals meinen Weg zu den Fürther Samtpfoten geebnet hat, und ich freue mich auf jede weitere Katze, jedes weitere High 5 und jede weitere Geschichte, die noch kommen wird.


Carina Römermann

ist ausgebildete Katzentrainerin, Verhaltensberaterin und Gründerin von CatCary. Sie hilft Katzeneltern, die mit dem Verhalten ihrer Katze nicht mehr weiterwissen, herauszufinden, was wirklich hinter Themen wie Unsauberkeit oder Katzenstreit steckt – und gemeinsam einen Weg zu finden, der zu ihnen und ihrer Katze passt. Statt Schuldzuweisungen und Patentrezepten setzt sie auf echtes Verständnis für das Tier und übersetzt komplexes Katzenverhalten in klare, machbare Schritte. Ihr wichtigstes Anliegen: dass sich Katzeneltern nicht mehr allein und überfordert fühlen, sondern wissen, was sie tun können, um ihrer Katze zu helfen.


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